Im Dezember 2015 kam die Weltgemeinschaft zusammen, um das Pariser Klima-Abkommen zu schließen. Ein großer Erfolg an internationaler, politischer Zusammenarbeit. Das Paris-Abkommen (auch Paris Agreement genannt) beschreibt das Ziel, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau, wenn möglich auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Wie jedes Jahr fand auch 2018 eine UN-Klimakonferenz statt – im Dezember in Katowice (Polen). Dies sollten wir zum Anlass nehmen, uns Gedanken zu machen, wo wir in unseren Klimaschutz-Aktivitäten stehen. Als Weltgemeinschaft, als westlich industrialisierte Gesellschaft und als verantwortungsbewusste Bürger, die auch den nächsten Generationen verpflichtet sind.

Globale Erwärmung?

Als globale Erwärmung bezeichnet man den Anstieg der Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre und der Meere seit der Industrialisierung in den letzten 150 Jahren. Dieser Prozess verläuft erheblich schneller als alle bisher bekannten Erwärmungsphasen der jüngeren Erdgeschichte, das heißt während der 66 Millionen Jahre umfassenden Erdneuzeit. So erwärmte sich die Erde beim Übergang von der Eiszeit in eine Zwischeneiszeit binnen ca. 10 000 Jahren etwa um 5 Grad Celsius. Bei der menschengemachten globalen Erwärmung wird jedoch eine Temperaturerhöhung von 5 Grad Celsius binnen 100 Jahren erwartet; die Erwärmungsgeschwindigkeit wäre also etwa 100 Mal größer als bei historischen natürlichen Klimaveränderungen.

Treibhausgasemissionen – was sind die Treiber?

Die globale Erderwärmung entsteht durch die Erhöhung der Konzentration von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Erdatmosphäre. Die Treibhausgase verringern die infrarote Wärmeabstrahlung und erhöhen so die Temperatur auf der Erde. Das bedeutet, als Weltgemeinschaft besteht unser Interesse im Klimaschutz vor allem darin, die jährlichen CO2-Emissionen (als wichtigstes Treibhausgas) zu senken und die Konzentration von CO2 in der Erdatmosphäre zu verringern. Dabei steigt die Konzentration von CO2 in der Erdatmosphäre auch bei einem im Gegensatz zu heute verringerten jährlichen CO2-Ausstoß und sinkt erst, wenn die Netto-Emissionen weniger als 0 sind – wir also in einer Negativemissionen-Welt leben.


Benjamin Schulz

Benjamin Schulz ist Mitherausgeber der beiden englischsprachigen Publikationen The Beam (United People of Climate Action) und Clean-Technica (#1 cleantech page in the world) und Initiator der Solar Panel Art Series in Kooperation mit Little Sun.

Als Venture-Partner bei Viessmann und anderen internationalen Unternehmen arbeitet er daran, Beteiligungen, Trends und Geschäftsmodelle in den Themen Cleantech und Dekarbonisierung frühzeitig zu erkennen – und in große Unternehmen zu bringen.

Links:
the-beam.com
cleantechnica.com

Deutsches Klimaziel: Bis 2030 soll der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 um 55 Prozent gesenkt werden.

Machen wir Fortschritte?

Im Jahr 2018 werden wir die bisher höchsten jährlichen Emissionen aller Zeiten produzieren (ungefähr 2,5 Prozent mehr als 2017), und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist entsprechend ebenfalls auf einem Rekordniveau.

Im Gegensatz zu der oft symbolischen Diskussion um die Emissionen aus dem Flugverkehr teilen sich die globalen Emissionen im Wesentlichen so auf:
– Energie, Wärme: 30 Prozent
– Transport (Straße): 25 Prozent
– Industrie: 20 Prozent
– Vieh- und Milchproduktion: 15 Prozent
– Flugverkehr: 2,5 Prozent
– Andere: 7,5 Prozent

Exakte Zahlen sind schwierig zu bestimmen, da alle Aktivitäten miteinander verbunden sind. Diese Aufteilung macht aber einen globalen Trend sichtbar und deutet die Bereiche an, auf die wir den größten Fokus haben müssen. Ein einfaches Beispiel: Die Emissionen im Individualverkehr (im Wesentlichen Autos) um 30 Prozent zu verringern, ist wesentlich wichtiger, als die Emissionen im Flugverkehr um 90 Prozent zu verringern.

Speziell in Deutschland verteilen sich die Treibhausgas-relevanten Aktivitäten so: 40 Prozent entstehen bei der Wärmebereitstellung (inkl. Prozesswärme in Industrie und Gewerbe), jeweils 20 Prozent in Verkehr und Elektrizitätsgewinnung, 10 Prozent Tierhaltung und andere.

Was sind die besten Ideen?

Bei jeder Diskussion um die Reduzierung von Treibhausgasen sollten wir uns bewusst werden, dass wir langfristig den Verbrauch von fossilen Brennstoffen in den Wirtschaftskreisläufen deutlich verringern müssen. Das ist offensichtlich, geht aber teilweise in den spezifischen Anwendungen verloren. Nehmen wir eine Verringerung von mindestens 50 Prozent auf den Wirtschaftskreislauf als Maßgabe einer tatsächlich guten Idee. Wieso 50 Prozent? Das entspricht in etwa dem offiziellen deutschen Klimaziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent unter die Emissionen von 1990 zu senken. Diese 50 Prozent Reduzierung auf einen bestimmten Wirtschaftskreislauf kann also eine nützliche Vereinfachung sein, um über Klimaschutzmaßnahmen nachzudenken.

Die besten Ideen müssen wir als Gesellschaft zusammen ermitteln. Ideen, die unsere Emissionen in wenigen Jahren um 50 Prozent senken. Manche dieser Ideen werden ungewohnt oder unpopulär sein – und werden viele frühe Unterstützer brauchen, um als gut erkannt zu werden. Andere sind bekannt und müssten nur eindeutiger und nachhaltiger gelebt werden: Wärmepumpen, Elektroautos, Fahrrad fahren, Konsum von Fleisch und tierischen Produkten deutlich reduzieren, eine CO2-Steuer befürworten, Solar, Gleichberechtigung (senkt erwiesenermaßen Emissionen), Städte verdichten, moderne Baustoffe – um einige Ideen mit besonders hohem Einsparpotenzial zu nennen.

Und wir könnten!

Als westliche Industriegesellschaften leben wir in den reichsten Ländern mit den höchsten CO2-Emissionen. Wir haben das wirtschaftliche und politische Handwerkszeug, um die CO2-Emissionen in vielen Bereichen unseres Lebens und Arbeitens deutlich zu senken. Und wir haben die Verpflichtung gegenüber den nächsten Generationen. Jedes Mitglied der Gesellschaft ist daher aufgefordert, sich kritisch mit diesem globalen Thema auseinanderzusetzen und zu versuchen, sich entsprechend seiner Möglichkeiten dieser Verantwortung und Herausforderung zu stellen.

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